Über Platzmangel und Schatten, die der kommende Winter und die Corona-Pandemie vorauswerfen #CoronaEltern

Ich sitze in unserem ehemaligen Wohnzimmer im Bett, denn das Wohnzimmer wurde in den letzten 2 Wochen zum Schlafzimmer, damit das ehemalige Schlafzimmer zum Zimmer für das kleine Kind (5, bald 6 Jahre alt) werden kann. Wohnzimmer haben wir nun keines mehr. Mir ist der Schritt schwer gefallen dieses Zimmer aufzugeben. Es war mein Lieblingszimmer in dieser Wohnung und es kommt mir im Moment so vor, als wäre ein Wohnzimmer haben zu wollen ein Luxus, den wir nun nicht mehr haben und den wir vielleicht nie mehr haben werden?

Warum ich mich zu dem Schritt entschlossen habe? Der Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie  war traumatisch für mich und zwar unter anderem auch deshalb, weil wir sehr wenig Platz haben in unserer knapp 60 Quadratmeter großen Wohnung. Ich hatte zwei Kinder zu Hause, wovon eines kein Zimmer hatte und habe gleichzeitig Vollzeit im Homeoffice gearbeitet in der Küche, in der auch die Spielecke vom kleinen Kind war. Da sowohl Wohn- als auch Schlafzimmer zu klein sind um dort eine Spielecke für meinen Sohn abzutrennen (damit er dort spielen kann während ich im Homeoffice erwerbstätig bin), musste eine andere Lösung her, denn der Winter steht quasi vor der Tür und mit ihm vielleicht eine zweite Welle der Corona-Pandemie. Natürlich weiß keiner ob es nochmals einen Lockdown geben wird im Herbst oder Winter. Aber. Was ich jetzt schon weiß ist, dass durch die momentanen Regelungen in der Kita, das Kind öfters zu Hause sein wird, als in einem „normalen“, Nicht-Corona-Winter. Zurzeit ist die Maßgabe so, dass Kinder mit Schnupfen / Husten zu Hause bleiben müssen, auch wenn sie kein Fieber haben.

Das kleine Kind hat, wie ich, Heuschnupfen. Die Nase ist hier meistens nur am Morgen verschleimt und weil ich vergessen hatte meinem Sohn am Montag letzter Woche die Nase zu putzen vor der Kita, passierte was passieren musste: Er nieste im Morgenkreis und hatte daraufhin eine Rotzglocke. Aus diesem Grund wurde ich von der Kita gebeten zum Arzt zu gehen und bestätigen zu lassen, dass das Kind nicht akut erkrankt ist, sonst hätte es die Einrichtung erst einmal nicht mehr besuchen dürfen. Die Erzieherin, die mit mir sprach, berichtete, dass es im Moment viele Kinder gibt, die nur wegen Schnupfen zu Hause bleiben müssen. Das finde ich krass und es ist belastend für Eltern und Kinder. Hier müssen dringend bessere Lösungen her von Seiten der Politik. Ich glaube kaum, dass jeder Arbeitnehmer wegen einer Schnupfennase (ohne Fieber) zu Hause bleibt. Warum also wird das bei Kindergartenkindern so streng gehandhabt? Ein krankes Kind gehört natürlich nicht in die Kita. Aber. Nicht jedes Kind, dass Schnupfen hat, ist ernsthaft krank. Ich denke es sollten zwei Symptome sein, die zur Bewertung der Situation herangezogen werden, nämlich z. B. die Kombination aus Husten und Fieber oder Schnupfen und Fieber. Im September soll es neue Regelungen für die Kitas  geben und ich bin gespannt, wie diese aussehen werden. In einer südkoreanischen Studie fanden Forscher jedenfalls heraus, dass Kinder unter 10 Jahren den Coronavirus nur selten weitergeben. Ich hoffe sehr, dass solche Erkenntnisse mit einfließen in die neuen Handlungsvorgaben für die Kindergärten ab September. Sicher bin ich jedoch nicht und deshalb ist es gut, dass das kleine Kind bis dahin schon ein eigenes Zimmer haben wird. Immerhin.

Am liebsten wäre mir ein Umzug gewesen in eine 4-5 Zimmer-Wohnung. Daher  habe in den letzten Monaten den Immobilienmarkt in unserer Stadt durchsucht. Was mir dabei aufgefallen ist: Es gibt mehr 4-5 Zimmer-Wohnungen als 2007. Zu dem Zeitpunkt suchte ich mit dem Vater vom Großen eine 4-Zimmerwohnung und es gab fast keine Mietangebote diesbezüglich. Einen Haken gibt es aber leider bei dem größeren Angebot an 4-5 Zimmer-Wohnungen im Gegensatz zu 2007: Diese sind oft sehr hochwertig ausgestattet und daher für uns zu teuer. Meine Vermutung, warum die Wohnungen so hochwertig ausgestattet angeboten werden ist die, dass dadurch die Mietpreisbremse umgangen werden kann. Als virtuelle Assistentin aktualisiere ich die Datenbank einer Firma, die im Immobilienbereich tätig ist. Hier habe ich zum ersten mal davon gehört, dass bei hochwertiger Ausstattung einer Wohnung / eines Haus, die Mietpreisbremse entfällt. Das ärgert mich, denn Familien und vor allem Alleinerziehende brauchen bezahlbaren Wohnraum. Das darf nicht zum Luxus werden.

Im Mai besichtigten wir eine 4-Zimmer-Wohnung, die passte, auch von der Miete her. Sie hatte zwar kein Arbeitszimmer, was ich mir wünschen würde, da ich als virtuelle Assistentin ständig im Homeoffice erwerbstätig bin, aber wir hätten zumindest weiterhin ein Wohnzimmer gehabt. Leider war die Wohnung sehr runtergewohnt und wir hätten erst einmal einige Wochen renovieren müssen. Da der Vermieter jedoch wollte das wir sofort Miete bezahlen, wäre das aus finanziellen Gründen nicht in Frage gekommen. Doppelt Miete bezahlen ist einfach nicht drin. So ist es nun gekommen, dass wir innerhalb der Wohnung umgezogen sind (ich habe unter dem Hashtag #kleinerUmzug dazu getwittert) und ich schweren Herzens das Wohnzimmer aufgegeben habe.

Ich freu mich natürlich sehr für meinen kleinen Sohn, weil er jetzt endlich Platz hat zum Spielen und auch mal etwas stehen lassen kann. Für mich freue ich mich auch, denn das neue Zimmer bedeutet, dass das Kind aus dem Familienbett ausziehen wird und ich wieder alleine schlafen kann. Die Zeit, in der meine Söhne bei mir geschlafen haben, als sie klein waren, habe ich meistens sehr genossen. Vor allem war das Familienbett auch praktisch: Beruhigen, Trösten und Sicherheit geben in der Nacht war so, viel einfacher, als wenn ich immer hätte aufstehen müssen. Mit dem Kleinen habe ich sehr viele innige Momente im gemeinsamen Bett erlebt und deshalb schwingt auch ein bisschen Wehmut mit bei dem Gedanken, dass diese Zeit nun vorbei ist. Jedoch merke ich auch, das ich erschöpft bin. Ich brauche jetzt wieder Nächte, die nur mir ganz alleine gehören ohne Füße in meinem Gesicht oder ein Kind, dass ich die ganze Nacht zudecke, weil ich Angst habe, dass es einen Schnupfen bekommt und dann von der Kita zu Hause bleiben muss. Gerade weil so viel auf meinen Schultern liegt, bin ich glücklich über diese kleine Freiheit, nun bald mein Bett wieder für mich ganz alleine zu haben. Und ich bin dankbar. Denn ohne die Hilfe einer Frau aus dem Internet wäre es mir im Moment finanziell noch nicht möglich gewesen uns diese Umräumaktion relativ einfach zu ermöglichen. Ich habe zwar wieder Rücklagen, aber da ich überwiegend selbständig bin als virtuelle Assistentin, benötige ich diese für Urlaubszeiten, wenn Kita und Schule geschlossen sind.

Die letzten Wochen waren unglaublich anstrengend für mich. Neben Erwerbstätigkeit und Care-Arbeit, zusammen mit meiner Mutter und einer Bekannten, diesen Umzug innerhalb der Wohnung zu realisieren war kraftraubend. Jetzt freue ich mich riesig auf 3 Wochen Urlaub im August, wobei ich in der 3. Urlaubswoche bereits wieder wenige Stunden erwerbstätig sein werde. Aber, es ist absehbar, dass ich Zeit haben werde für mich und um meine Gedanken und Gefühle einfach mal wieder treiben zu lassen.

P.S.: Wenn Ihr meine Arbeit zur Anerkennung und zum sichtbar machen der privaten Care-Arbeit unterstützt freue ich mich sehr. Hier geht es zu PayPal: https://paypal.me/ClaireFunke

PPS.: Lesenswerte Beiträge zum Thema Care und Care-Arbeit und sonstigen, mir  wichtigen Themen:

  • Die sehr umstrittene Reform der außerklinischen Intensivpflege wurde in der ersten Juliwoche vom Bundestag beschlossen (Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz, kurz IPReG). Das trotz massiver Proteste von, von außerklinischer Intensivpflege betroffener Menschen und ihren Angehörigen sowie von Aktivisten aus der Behindertenbewegung, diese Reform beschlossen wurde finde ich hochproblematisch. Dieses Gesetz geht uns alle etwas an, denn wir könnten durch Krankheit/ Unfall auch in die Lage kommen Intensivpflege zu benötigen und wollten in diesem Fall dann auch selbst entscheiden wie wir leben möchten. Es geht also nicht um irgendein Gesetz, sondern es geht um Daseinsvorsorge für uns alle: Ein Beitrag dazu von Prof. Dr. Stefan Sell beschreibt die Problematik. #IPReG #NoIPReG
  • Kita-Infekte: Schnupfen ist kein typisches Corona-Symptom
  • Das ist krass, dass nun nur in der Altenpflege der Bonus bezahlt werden soll. Die Begründung dafür ist halbseiden. Nun sehen wir, dass alle Dankesworte nur heiße Luft waren und das Klatschen eine leere Geste. Ein Text dazu erschien bei Zeit online: „Ausgeklatscht“
  • Der Beitrag „Akku war leer“ zeigt, wie anspruchsvoll private Carearbeit ist und das wir Menschen nicht damit alleine lassen dürfen.
  • Sehr berührender Beitrag von Christine Finke (Blog „Mama arbeitet“): Es gibt keinen Weg zurück – vom Träume loslassen

Beitragsbild Pixabay von stux

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