Ausrangiert: Material Mensch

Vor meiner ungeplanten Blogpause Anfang Juni habe ich mich aussortiert gefühlt. Ausrangiert, als alleinerziehende Mutter, aus dem Arbeitsmarkt. Ich habe dieses „Aussortiert-Phänomen“ auch bei meinen Teilnehmern in der Erwachsenenbildung erlebt, das da heißt: Es muss nicht viel passieren, dass man am Arbeitsmarkt ausrangiert wird.

Meine Aussortierungs-Kriterien lauten wahrscheinlich so (genau wissen tue ich es aber nicht):

  • Alleinerziehend mit 2 Kindern: Oh, die Kinder werden oft krank und dann fehlt sie, außerdem ist sie nicht flexibel – geht nicht!
  • Alter, weil ich nicht mehr ganz jung bin: Oh, die ist teuer und fehlt dann auch noch oft, wegen den zwei Kindern, noch teurer – geht gar nicht!
  • Quereinsteiger: Oh, die hat die letzten 10 Jahre in der Erwachsenenbildung gearbeitet mit Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen – geht nur, wenn es gar nicht anders geht! Also auch nie.

Die Aussortierungs-Kriterien von meinen ehemaligen Teilnehmern lauteten wahrscheinlich ähnlich, nämlich so:

  • Gesundheitliche Probleme: Oh, der / die war lange krank oder hat eine chronische Erkrankung, na, ob das noch was wird – lieber gar nicht erst ausprobieren!
  • Familienpause: Oh, der / die hat Familienpause gemacht und nicht gearbeitet – das muss doch heutzutage wirklich nicht mehr sein – geht gar nicht!
  • Alter, der / die ist zu alt: Oh, der ist aber schon alt, da lohnt sich ja das Einarbeiten nicht und wenn dann noch Krankheit hinzukommt – geht überhaupt gar nicht!

Arbeitgeber müssen im Bewerbungsprozess eine Auswahl treffen und legen hierfür gewisse Kriterien fest. Ob dabei das wichtigste Kriterium alleine die Ausbildung und / oder die Berufserfahrung sein darf? Ich finde, es müssen auch soziale Aspekte einfließen in die Mitarbeiterauswahl, denn wir haben alle eine Verantwortung für diese Gesellschaft. Wenn sich beispielsweise Eltern bewerben oder pflegende Angehörige sind sie für mehrere Menschenleben verantwortlich und daher weniger flexibel, was den Ort und die Arbeitszeit betrifft. Sie können nicht ständig die Stadt wechseln wegen der Erwerbsarbeit (z. B. bei Befristungen), denn da hängt so viel dran (Schule, Kindergarten, Pflegedienst, soziales Umfeld), dass man dies unmöglich alle paar Jahre über den Haufen schmeißen kann für einen neuen, vielleicht wieder befristeten, Job. Das kostet alle Beteiligten einfach zu viel Kraft. Sind Bewerber/innen mit (vermeintlichen) Einschränkungen  nicht genau deshalb besonders Unterstützungswürdig und daher in die engere Wahl zu ziehen bei der Mitarbeiterauswahl, weil eben nicht nur die Qualifikation und die Flexibilität zählen dürfen und weil wir alle Teil dieser Gesellschaft sind? 

Im Jahr 2016 habe ich mich bei einem Verein beworben für eine Festanstellung und die Stelle nicht bekommen. Das kenne ich ja schon, denn ich habe in den letzten 10 Jahren, durch immerwährende befristete Anstellungsverhältnisse bei verschiedenen Bildungsträgern, hunderte von Bewerbungen geschrieben und unzählige Male erfahren, dass meine Bewerbung, aus was für Gründen auch immer, abgelehnt wurde (branchenintern, wie branchenfremd). Im Fall von dem Verein hat mich die Ablehnung vielleicht etwas mehr geärgert als die anderen Absagen, weil ich das erste und einzige Mal explizit in meine Bewerbung geschrieben hatte, dass ich dringend eine Stelle benötige, da ich alleinerziehend bin. Als ich dann in den letzten Wochen in der Zeitung las, dass der besagte Verein ehrenamtliche Mitarbeiter für den Vorstand sucht, hat mich ein kleines Teufelchen geritten. Ich wollte wissen, ob ich als ehrenamtliche Mitarbeiterin in Frage komme und habe mich telefonisch beworben (eine schriftliche Bewerbung,  war nicht gefordert). Wenige Wochen später fand dann das Vorstellungsgespräch statt mit den drei Damen aus dem aktuellen Vorstand und es war tatsächlich ein gutes Gespräch. In der Runde wurde mir mitgeteilt, dass man sich eine Zusammenarbeit vorstellen kann, der neue Vorstand jedoch erst im Oktober gewählt wird von den Vereinsmitgliedern. Ich habe dann tatsächlich zugesagt, für die Wahl im Oktober, weil es ein gutes Gespräch war und weil ich mir diese ehrenamtliche Tätigkeit auch gut vorstellen kann. Das ich als festangestellte Mitarbeiterin nicht in Frage gekommen bin, als ehrenamtliche dann aber schon, ärgert mich immer noch etwas.

In unserer Gesellschaft ist alles darauf ausgelegt, dass wir möglichst unabhängig sind im Leben. Diese Unabhängigkeit funktioniert so lange gut, wie man nicht auf die Hilfe z. B. auch in Form von Verständnis, von anderen angewiesen ist. Spätestens in Krisensituationen wird einem klar, dass wir nicht so unabhängig sind, wie wir glauben. Im Falle der Erwerbsarbeit sind wir, wenn überhaupt, nur finanziell unabhängig, so lange das Arbeitsverhältnis besteht. Als berufstätige Mütter sind wir vielleicht nicht mehr vom Mann abhängig, was das Geld betrifft, dafür aber vom Arbeitgeber. Diese finanzielle Unabhängigkeit besteht auch auch nur so lange, wie es das Arbeitsverhältnis gibt. Es ist kompliziert mit der Unabhängigkeit und vielleicht ist sie nur eine Illusion? Sollten wir nicht besser stärker im Bewusstsein haben, dass wir alle früher oder später bedürftig werden (oder es eigentlich IMMER sind), in was für einer Form auch immer?

Für Unternehmen hängt viel davon ab, ob genügend Fachkräfte vorhanden sind. Die Formel „ohne Fachkräfte, kein Unternehmen“ ist vielleicht ein bisschen überspitzt, aber sie stimmt im Kern. Somit wäre eigentlich klar, dass Betriebe und Mitarbeiter sich gegenseitig benötigen und es auch hier keine Unabhängigkeit gibt. Dennoch werden unverständlicher Weise zu viele Menschen aussortiert aus dem Arbeitsmarkt weil sie nicht ganz genau in das Anforderungsprofil passen. Ist der Fachkräftemangel durch dieses Vorgehen nicht teilweise selbstgemacht? 

Ich erinnere mich an einen Teilnehmer von mir mit Multipler Sklerose (kurz MS). Er war Polsterer und Vorarbeiter, bis er die Erkrankung bekam und seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Der Rentenversicherungsträger bezahlte eine Umschulung, allerdings nicht die, die er gerne wollte, als Ergotherapeut (wegen der MS), sondern eine als Industriekaufmann. Leider hat er in seinem Umschulungsberuf keine Stelle gefunden, weshalb er dann vom Jobcenter in der Erwachsenenbildung ratlos von Maßnahme zu Maßnahme geschickt wurde. Ich frage mich, ob es nicht besser gewesen wäre, den Mann in seinem Wunschberuf (Ergotherapeut) umzuschulen, als ihn in etwas hineinzupressen, was höchstens zweite Wahl war (der Beruf als Industriekaufmann)? Jedenfalls wäre der Arbeitsmarkt um einen Ergotherapeuten reicher. Sie werden nämlich, neben Physiotherapeuten und Logopäden, mittlerweile händeringend gesucht.

Ich möchte nochmals die Frage stellen, ob der Fachkräftemangel nicht ein Stück weit selbst gemacht ist, wenn Menschen, die vielleicht nicht optimal sind mit ihrer Einschränkung (gesundheitlich, zeitlich, sprachlich usw.), aber grundsätzlich geeignet, als ungeeignet aussortiert werden? Sollten nicht auch die in die engere Wahl kommen  im Bewerbungsprozess, die auf eine gewisse Art und Weise bedürftig sind, weil sie Kinder haben, Angehörige pflegen oder gesundheitlich beeinträchtigt sind? Unternehmen sehen das das im Fall von behinderten Menschen anscheinend anders. Ich habe am 15.07.2018 im Bildungsmagazin News4Teachers gelesen, dass manche Betriebe lieber die (Behinderten)Ausgleichsabgabe bezahlen, als einen beeinträchtigten Menschen einzustellen (die Einnahmen in z. B. Berlin sind hier um 30 Millionen Euro gestiegen). Wünschenswert wäre gesellschaftlich, dass es ganz normal ist, Menschen im Bewerbungsprozess zu berücksichtigen, die Einschränkungen haben, egal welcher Art diese sind. Wir alle können in die Lage kommen aus irgendeinem Grund der Fürsorge bedürftig zu werden und dann ist es einfach gut, wenn das, was das Leben manchmal schwierig macht, auch in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt explizit vorgesehen ist. Kein Mensch kann ohne Fürsorge leben, auch nicht am Arbeitsmarkt.

P.S.: In eigener Sache suche ich Aufträge als virtuelle Assistentin (Infos unter http://www.clairefunke.de). Das Schreiben von Texten zu verschiedenen Themen gehört auch noch zu meinem Repertoire (z. B. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Care-Arbeit, Medizin, Arbeitsmarkt, Essen und Trinken). Extremalleinerziehend würde ich am liebsten im Homeoffice arbeiten, gerne auch festangestellt. Freiberuflich geht aber auch. Andere Arbeitsvariationen sind möglich. Schließlich bin ich flexibel. Meistens. Anfragen nehme ich gerne an unter: info@mamastreikt.de

Beitragsbild: Pixabay TaniaVdB

 

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15 Gedanken zu “Ausrangiert: Material Mensch

  1. Francis Bee schreibt:

    Der Fachkräftemangel ist Hausgemacht und von der unprofessionellen (unqualifizierten) Jobsuche durch das JobCenter wird das noch verschärft.
    Menschen mit schweren Erkrankungen und nach 40 Arbeitsjahren werden gezwungen arbeiten zu gehen – auch wenn sie es nicht mehr können.
    Und Menschen, die sich für einen bestimmten Beruf noch umschulen lassen (wollen/müssen) werden in Berufe gestopft, bei denen es keine Arbeitsplätze gibt. Und das, weil die Informationen, was gerade gebraucht wird, hinter der Wirklichkeit hinterherhinkt.
    Am unsinnigsten sind Jobangebote an ausgesteuerte und krankgeschriebene Menschen, die schon ihre Rentenpunkte zus. hätten und ein Lebelang gearbeitet haben und die (EMR) Rente beantragt haben.
    Dadurch werden systematisch Neueinstellungen verhindert und ältere, erkrankte Betroffene gequält.

    Das ein Unternehmen lieber die Ausgleichsabgabe für die „freien“ Behinderten-AP zahlt, geschieht oft aus Unwissenheit. Andererseits sind das Hürden, denen sich viele Arbeitgeber nicht gewachsen fühlen – dabei gibt es doch Hilfen beim Integrationsamt, Integrationsfachdienst, Krankenkassen und Rentenversicherung, wenn es um die Umgestaltung / Einrichtung eines behindertengerechten Arbeitsplatzes geht.

    Das Neueste: Behinderte Menschen, die wegen Krankheit arbeitsunfähig krankgeschrieben wurden, inzwischen ausgesteuert Arbeitslosengeld 1- (das ist der 1. Lacher) -Empfänger ist, bekommt nach 12 Monaten gar kein Geld mehr !?!
    So. Das habe ich heute per Telefon erfahren.

    Irgendwie glaube ich inzwischen dass das System hat.
    Wer das nicht durchgemacht hat, der schreit jetzt: wir haben doch Gesetze … – ja, die haben wir. Klappt auf dem Papier sogar recht gut. Leider ist das Papier sehr geduldig und setzen wir einen Kaffeefleck drauf sogar recht unleserlich und wenn dann ein Jurist kommt, werden unglaublich viele Einschränkungen sichtbar, die man in der Einfachheit eines Gesetzes gar nicht vermutet.
    Das ist schlau … wer das nicht aushält, der kriecht zur Arbeit oder stirbt.

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  2. Brigitte Bührlen schreibt:

    Im 21. Jh gilt unreformiert immer noch (§1618a BgB) der Grundsatz des 19. Jh, dass wir uns in Sorgesituationen familien- und generationensolidarisch umeinander kümmern sollen – ehrenamtlich natürlich. Das gilt für Kindererziehung genauso wie für Angehörigenpflege.
    Auf dem Papier der Gesetzestexte stehen von der Politik mit Vertretern der Wirtschaftslobby abgestimmte Regelungen, deren Umsetzbarkeit in die Lebensrealität von Arbeitnehmern nicht nachgeprüft oder rückgemeldet wird. Das ist auch gar nicht vorgesehen. Es mangelt an Rückmeldestrukturen und an Arbeitnehmer- bzw. Bürgerlobby. Warum bilden wir eigentlich keine Lobby für unsere eigenen Interessen? Daran mangelt es. Wo man nicht vertreten ist, da kommt man auch nicht vor. Das erscheint einem banal, aber vielleicht ist ja doch was Wahres dran?

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      • Brigitte Bührlen schreibt:

        Ich habe mir den „Marsch durch die Institutionen“ auf die Fahne geschrieben. Das ist zugegeben eine eher „sanft“ erscheinende Taktik, die viel Geduld erfordert. Aber meiner Meinung nach ist sie nachhaltig.
        Alle anderen Taktiken müssen eigentlich eher aggressiv sein. Sie müssen Macht- und Geldbesitz angreifen und gefährden. Politik lässt sich kürzerfristig meiner Meinung nach nur über drohenden Machtverlust (Wählerstimmen) oder über finanzielle Verluste (Wirtschaft) beeinflussen.
        Politik ist nicht über soziale oder ethische Argumentation zu bewegen.
        Einzelne Politiker sind ethischen Argumenten persönlich durchaus zugänglich, das ist aber dann ihre persönliche Meinung. Im Parteienverbund hat ein Politiker diese Freiheit vielleicht auf dem Papier, er hat sie aber nicht im wirklichen Politikerleben. Das zumindest ist mein persönlicher Eindruck als Bürgerin.

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      • Mama streikt schreibt:

        Das ist sehr schade, dass sich die Politik nicht durch soziale oder ethische Argumentationen bewegen lässt. Das zeigt ja aber auch schon wieder, dass wir uns erst recht wehren müssen, wenn es Misstände. Somit wären wir wieder bei der Gründung einer Bürgerlobby……..

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      • Brigitte Bührlen schreibt:

        Zur Gründung einer Bürgerlobby braucht man vor allem Bürger. Das klingt banal, ist aber recht komplex.
        Wenn man selbst einen Missstand erkennt, dann heisst das noch lange nicht, dass eine politisch relevante Menge an Mitbürgern diesen Missstand auch sieht und bereit ist sich für die Behebung einzusetzen……..
        Man kann auch eine Partei gründen. Da hätte man vielleicht mehr Chancen wahrgenommen zu werden. Aber eine Parteigründung ist eben auch so einen Sache…..
        Bewegungen entstehen meist nicht geplant, sie beginnen aber meistens mit der Idee Einzelner.
        Ich finde, jeder sollte das machen, was sich auf`s Herz legt. Da gibt es bestimmt viele verschiedenen Wege und vielleicht hat einer Erfolg wenn die Zeit reif ist……

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    • Kathrin schreibt:

      Es gibt schon Arbeitnehmer-Lobbies – nämlich Gewerkschaften. 🙂

      Diese suchen auch händeringend nach Mitgliedern. Da die Mitgliesbeiträge abhängig vom Einkommen sind, sind sie vielleicht/hoffentlich auch mit sehr geringem Einkommen bezahlbar.

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  3. Giuseppe schreibt:

    Zitat: “ … daher in die engere Wahl zu ziehen bei der Mitarbeiterauswahl, weil eben nicht nur die Qualifikation und die Flexibilität zählen dürfen und weil wir alle Teil dieser Gesellschaft sind? …“
    Dagegen Maggie Thatcher, Mutter allen europäischen Neoliberalimus‘ :
    There is no such thing as a society, just bare, plain individuals!
    Bevor das System nicht fällt, das GANZE System, das heute unter „Neoliberalismus“ subsummiert wird, bevor also ein grundsätzlicher Paradigmenwechsel stattfindet, ist es leider Zeit- und Energieverschwendung, an derartig vernünftige Vorgehensweisen zu appellieren, wie „an die Gesellschaft denken“ bei einer etwaigen Mitarbeiterauswahl.
    Wir werden die neoliberalen Einpeitscher mit sanften Erinnerungen in Frageform nicht wieder los werden;
    wir werden diese Einpeitscher vermutlich selbst mit handfesten demokratischen Mehrheiten nicht wieder loswerden – siehe Griechenland 2015 (Oxi-Referendum UND überwältigende Wiederwahl der Austeritätskritiker, ohne irgendwelche finanzpolitische Konsequenzen), siehe Italien 2011 (Technokratenputsch gegen Berlusconi) und nochmal Italien 2018 (Staatspräsident lehnt ab, den von der demokratisch gewählten Mehrheit benannten Wirtschafts- und Finanzminister zu vereidigen).
    Es braucht also durchaus massivere Massnahmen als sanfte Appelle im längst fälligen Klassenkrieg zur Enteignung und Re-Demokratisierung der heutigen Eigentümerklasse, fürchte ich.

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  4. Jan Raabe schreibt:

    Der Kapitalismus lebt von einigen Sachen, Externalisierung von Kosten (von der Firma in die Familien) ist ein davon.
    Die Menschen werden so ‚flexibilisert‘, bis keine Strukturen mehr da sind, um Familien zu gruenden (oder mit Marx: dem Arbeiter werden die Reproduktionskosten verweigert).
    Das zerstoert Ehen, Elter-Kind-Beziehungen, nicht zuletzt auch Bildung. (s. z.B. Diktatnoten Berlin)
    Die Betriebe benutzen ein Humankapital-Management mit Kennziffern, das ist (z.B. Zeugnisse) wenig aussagekraeftig, aber billig. Natuerlich findet man ueber kennziffergesteuerte buzzwords keine Fachkraefte im besten Niedriglohnsektor Europas.
    Ich bin Diplomphysiker. Das Jobcenter schickte mich als Lagerarbeiter zu einem Motorradhaendler. Da war ich persoenlich, um die Reaktion zu sehen, und die Dame dort brauchte die ersten beiden Saetze nicht zu Ende :-). Aber das ist die Statistik-Reinigung im ‚Jobcenter‘: Hauptsache auf dem Papier … wie damals in der DDR, aber heute statt SED und KPdSU nun KPMG, EY, Bertelsmann und McKinsey.
    Wir haben einen Fachkraeftemangel im Bereich 30jaehrige 1Euro-Techniker/Physiker/Ingenieure. Eltern und Lehrer sind viel zu teuer.

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  5. IW schreibt:

    Das ist sicherlich alles richtig und nachvollziehbar
    und die Kehrseite lautet:
    Die Reste-Mannschafft, die alle Ausfälle kompensieren muss, pfeift dauerhaft aus dem letzten Loch. Das habe ich selbst so erlebt. Immer wieder musste ich monatelang fast einen Doppeljob machen wegen all der Ausfälle, wie oben benannt. Ich war dann so was von heilfroh als die reguläre Rente mit 66,5 Jahren kam. Gerade die Jüngeren sind zudem sehr häufig deutlich weniger belastbar und ich meine die noch nicht Eltern+Kinder oder Pflegende. Die letzten Jahre habe ich in der Freizeit nur auf Sparflamme gelebt, u.a. Sozialkontakte sehr eingeschränkt, da die Kraft fehlte, ich mich ausruhen musste.

    Im Sparzwang, bis Sparwahn ist leider die Personalbesetzung auf Kante genäht, falls Stellen überhaupt besetzt sind.
    Die Arbeitsbedingungen sind dadurch sehr belastet und damit auch das soziale Miteinander, im Sinne eines unterstützenden Ausgleichs. Über Ressentiments braucht man sich da nicht zu wundern.

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