Jede Mutter hat Anspruch auf……. Ja, was eigentlich? (#Archiv)

Jahresrückblick 2017 – Artikel vom 06.12.2017 und 3. Platz in „meist gelesen“:

Ich erinnere mich in diesen Tagen immer wieder an eine Situation im Dezember 2016, kurz vor Weihnachten. Mein Kleiner (damals 2 Jahre alt) saß abends weinend und hustend im Bett, ich stand im Schlafzimmer, telefonierte mit meiner Mutter und sagte, dass ich nicht mehr kann. An meinen Füßen hatten sich in den Tagen davor aus einem Hautausschlag Blasen gebildet die aussahen, wie mit Wasser gefüllte Brandblasen. Beide Füße waren betroffen, die Blasen waren schmerzhaft und wenn sie aufgingen, haben sie natürlich genässt. Mit diesen Wunden an den Füßen bin ich auf die Arbeit gegangen (in Stiefeln!), denn ich befand mich noch in der Probezeit bei meinem neuen Arbeitgeber und war bereits mehrmals zu Hause geblieben, als meine Kinder krank waren. Dazu kam, dass meine Waschmaschine an dem einem Adventswochenende kaputtgegangen war und am nächsten war das Auto reparaturbedürftig. Mein großer Sohn war krank, der Kleine hatte wochenlang Husten (vor allem nachts) und ich hatte keine Nerven mehr und einen nässenden, schmerzenden Hautausschlag an den Füßen, mit dem ich jeden Tag (insgesamt 2 Wochen), bis zum Weihnachtsurlaub auf die Arbeit gegangen bin.

 Während ich das hier aufschreibe, treibt es mir die Tränen in die Augen, denn die Tatsache, dass ich im Juni 2016 wieder eine Arbeit gefunden habe (10 Tage bevor ich im Hartz-4-Bezug gewesen wäre), hatte einen hohen Preis. Ich war krank und hatte keine Kraft mehr für meine Kinder. Natürlich hat das auf der Arbeit keiner gemerkt. Was hätte ich auch sagen sollen? Das ich überlastet bin und dass ich nicht mehr kann? Wem hätte das geholfen, ich denke, niemandem, am wenigsten mir und meinen Jungs. Mein „Opfer“, krank auf die Arbeit zu gehen, hat im Übrigen auch nichts genützt. Der befristete Arbeitsvertrag wurde nur verlängert bis zum Projektende Anfang Oktober 2017. Ob es das wert war? Mich zu verausgaben und für meine Kinder keine Kraft mehr zu haben?

Im Artikel 6, Absatz 4, des Grundgesetz steht: „Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft“. Ich frage mich jedoch, wo der Schutz und wo die Fürsorge von der Gemeinschaft für mich ist? Fragen sich das andere Mütter auch?

Meine Antwort darauf ist die Petition zum Fürsorgegehalt mit allen Sozialleistungen für Eltern und pflegende Angehörige, sowie der friedliche Netzprotest #carearbeitmusssichtbarwerden, der am kommenden Sonntag zum 5. Mal stattfindet. Ein Zitat aus dem Buch „Die verkaufte Mutter“ (Seite 26) beschreibt sehr gut die Situation in der wir leben:

„In der unbemerkten Ausweitung der ökonomisierten Strukturen weltweit, fällt nämlich gar nicht auf, wie sehr wir unseren menschlichen Wert und unsere Entscheidungen bereits von der Erwerbsarbeit abhängig machen.“

Gerade in diesem Jahr 2017, in dem ich ausgelastet bin im Dezember, aber nicht überlastet, fühle ich mich manchmal betrogen um die Kindheit meiner Jungs, denn ich habe mit wenigen Unterbrechungen (wegen Befristungen) immer gearbeitet seit ich Mutter bin und das sind immerhin schon 10 Jahre, die ich mit der Dreifachbelastung (Familie, Beruf, Alleinerziehend) lebe. Wie lange kann ich, kann ein Mensch, eine Mutter, ein Vater, die Kinder, das aushalten?

Heute Morgen, als ich meinen Kleinen in den Kindergarten gebracht habe, hörte ich eine Mama gehetzt und noch liebevoll zu ihrem 2-jährigen Sohn sagen: „M. geh mal ein bisschen schneller.“ Kurze Zeit später fragte sie ihn dann: „M., ist das schneller gehen?“ Ich antwortete ihr schmunzelnd, dass dies eben „sein schneller gehen“ ist. Die Mutter lachte gequält und ich erinnere mich an so viele Situationen, in denen es mir genauso ging und geht. Kinder lassen sich ganz schlecht in unsere getakteten Tagesabläufe reinorganisieren. Es kommt immer etwas dazwischen: die Blume auf dem Weg, der Hund am Straßenrand, das geliebte Kuscheltier, das Müllauto auf der Straße, die Baustelle vor dem Kindergarten…….. Das ist alles interessant für die Kleinen und wir haben aber keine Zeit uns mit diesen Dingen und den Fragen dazu, zu beschäftigen. Wir sind deshalb keine schlechten Eltern, jedoch macht es etwas mit uns und unseren Kindern, wenn wir immer durchgetaktet durch unser erwerbszentriertes Leben rasen. Eine wichtige Qualität geht hier verloren, die nur in Langsamkeit „funktioniert“, nämlich das „Zwischen“, zwischen uns und der Welt und das „Zwischen“ zwischen uns und unseren Kindern.

Ich finde gerade in der Adventszeit kann das „Zwischen“ ausgefüllt sein mit berührenden Begegnungen. Wenn die Situation jedoch so ist, wie bei mir im Dezember 2016, dann ist das „Zwischen“ tot. Das „Zwischen“ ist jedoch die grundlegende Qualität für die Bindung unserer Kinder. Jeder spricht davon, wie wichtig Bildung ist und da stimme ich auch voll und ganz zu. Was jedoch noch wichtiger ist, ist die Bindung. Dr. med. Karl-Heinz Brisch (Bindungsexperte) sagt dazu: „Bindung kommt vor Bildung.“

Mein „Zwischen“ war in den letzten Tagen ausgefüllt von vielen kleinen erfüllenden Situationen mit meinen Kindern. Das erste Adventswochenende haben wir uns zu Hause gemütlich „eingeigelt“ mit selbstgebackenen Lebkuchen, Weihnachtsfilmen und der „ersten Kerze“, die gebrannt hat, was mein Kleiner (3) nun ganz bewusst mit verfolgt. Unsere Dreisamkeit wurde nur durch ganz wenige Streitereien der Kinder unterbrochen. Der Große (10) sagte zum Kleinen: „Wenn Du nicht brav bist, bestelle ich den Nikolaus ab.“ Was großes Geschrei nach sich zog und die Frage vom Kleinen, ob das der große Bruder tatsächlich machen kann? Konnte er natürlich nicht! Diese Situationen bedürfen aber immer wieder unserer Aufmerksamkeit und Begleitung. Sie machen die Beziehung aus zwischen uns und unseren Kindern.

Martin Herzberg hat ein Klavierstück geschrieben, mit dem Titel: „And I will watch you grow“. Das berührt mich sehr, denn ich möchte meine Kinder ganz bewusst aufwachsen sehen, damit ich die schönen Situationen in meinem Herzen aufheben kann, für die Ewigkeit. Lehnt Euch zurück, atmet ganz tief und bewusst und genießt dieses wunderschöne Klavierstück. JETZT!

Wie seht Ihr das, genießt die Mutter tatsächlich den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft?

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