Licht am Horizont – Ruhe, Friede, Hoffnung

Von meinem Sofa aus habe ich einen wundervollen Blick. Ich schaue auf Bäume, ganz viel Himmel und ich sehe den Horizont. Die Weite in diesem Blick lässt mich zu mir kommen. Ich atme ganz tief ein und wieder aus. Ruhe, Friede und Freiheit durchströmen mich, gefolgt von Schmerz und Trauer.

Das Gefühl von Trauer, ganz tief in mir drin, begleitet mich so lange ich denken kann. In meinem Leben gab es unzählige Abschiede von liebgewonnenen Menschen und Orten auf ganz unterschiedliche Weise mal friedlich, oft unsagbar schmerzhaft und traurig, teilweise auch tragisch. Das Lied von Katie Melua „I cried for you“, berührt in meinem Innersten diese Erfahrungen. Der Text handelt von jemandem ohne Hoffnung, dem aufgrund eines Verlusts bewusst wird, wie zerbrechlich die Welt sein kann und der aber gleichzeitig erfahren hat, dass Schönheit manchmal auch einfach nur in einem Flüstern liegt:

I cried for you

When the sky cried for you

Ich habe in dieser Woche meinem fast 10-jährigen Großen das Buch vorgelesen von Judith Zacharias-Hellwig: Die Sehnsucht des kleinen Orange (ich habe es mir selbst gekauft, weil ich in einem Podcast davon gehört hatte). Hier geht es darum, dass sich die Eltern, Mama Rot und Papa Gelb trennen. Das kleine Orange ist natürlich sehr traurig und in seinem Fall reagieren die Eltern vorbildlich in der Trennungssituation.

Ich wusste nicht, wie Großer reagieren wird, wenn ich ihm das Buch vorlese, überraschenderweise hat er sich bereitwillig auf die Geschichte eingelassen. Ich hatte eher mit der Reaktion gerechnet dass er das kindisch findet, weil er ja schon „groß“ ist. Mich hat beim Vorlesen sehr berührt, dass Trauer und Schmerz unheimlich schnell bei den ersten Sätzen da waren, bei mir und bei ihm. Katie Melua singt in „I cried for you“: Ohne dich sehe ich jetzt, wie zerbrechlich die Welt sein kann. Und ich weiß, du bist weggegangen. Aber du wirst immer in meinem Herzen sein.

Ich war damals (vor 8,5 Jahren) unheimlich verletzt und konnte es gar nicht nachvollziehen, warum sich der Vater vom Großen getrennt hat. Ich habe die Trennung eigentlich erst jetzt, Jahre später, so richtig verarbeitet. Das finde ich nicht schlimm, denn ich kann es sowieso nicht mehr ändern.

Was ich allerdings unglaublich traurig finde ist, dass ich weiß, dass ich in dieser Zeit gefühlsmäßig für meinen damals mit 1,5 Jahren noch sehr kleinen Sohn, keine Stütze war. Ich war so sehr mit dem Verdrängen von meinem Schmerz beschäftigt und mit dem funktionieren im Alltag, dass ich ihm gefühlsmäßig keinen Halt geben konnte und das wird mir erst heute so richtig bewusst. Möglicherweise ist das so, weil mein Kleiner im Moment in diesem Alter ist und ich daher ganz gut vergleichen kann, wie das ist, gefühlsmäßig anwesend zu sein.

Das Gute ist, ich bin an dieser Trennung und an diesem Schmerz gewachsen, auch wenn es eine unglaubliche Kraftanstrengung war. Das Schmerzhafte wiederrum ist, dass mein Großer diese Trennung erfahren musste und ich vom Gefühl her nicht fähig war, ihn aufzufangen. Damals.

In der Situation, als wir das Buch in dieser Woche gelesen haben, konnte ich mich auf ihn einlassen, ihn trösten, auffangen, einfach da sein. Die Wunde der Trennung kann ich nicht ungeschehen machen, aber ich kann den Schmerz wahrnehmen, würdigen und dadurch zum Heil werden von Tim ein Stück weit beitragen. Diese Gefühle von Trauer und Schmerz müssen einen Platz bekommen in seinem Leben, damit sie nicht unbewusst in ihm wirken.

Ein Kind zu erziehen bedeutet nicht, es sein ganzes Leben lang zu beschützen, sondern es bedeutet viel mehr, es durch die Stürme des Lebens hindurch zu begleiten. Das hat der Psychologe angemerkt, zu dem ich seit fast 3 Jahren in die Erziehungsberatungsstelle gehe. Diese Erkenntnis war für mich unheimlich wichtig und gleichzeitig auch entlastend. Loslassen beginnt also schon weit vor dem Erwachsen werden der Kinder.

Das tiefe und bewusste Einatmen und Ausatmen bewirkt in mir ein Ankommen im Hier und Jetzt, Ruhe und Frieden. Jetzt nachdem ich diesen Text hier aufgeschrieben habe, kommt da keine Trauer und kein Schmerz mehr – heute.

Und vergiss nicht zu träumen,

dir eine Welt vorzustellen,

in der die Liebe mehr Platz hat,

in der die Hoffnung nicht aufhört

und der Friede die ganz tiefe Sehnsucht aller Menschen ist.

(Auszug aus „Dein Weg“ von Ulrich Schaffer)

Was für ein größeres Geschenk gibt es, als friedliche Augenblicke?

Unglaublichen Frieden empfinde ich, wenn ich meine schlafenden Kinder beobachte. Da Kleiner noch in meinem Bett schläft, genieße ich diese friedvollen Momente sehr, wenn dieser kleine Mensch neben mir liegt. Sein Kommentar zu seinem von mir geschmierten Käsebrot, hat mich auch friedlich gestimmt: „Da ha du sööön gemast, Mamalie.“ Großer bemerkte in dieser Woche, als sein kleiner Bruder unseren ganzen Flur mit seinem großen Geschäft übersät hatte: „Mama, das sah irgendwie schön aus, wie eine Schatzkarte.“ Die Sichtweise von Tim hat mich schnell mein genervt sein vergessen lassen und natürlich auch belustigt.

Mit Humor geht vieles leichter und Humor trägt sicher zum Frieden zwischen den Menschen bei. Zum Schluss muss ich daher noch eine witzige Begebenheiten von dieser Woche zum Besten geben: Ich würde sagen mit fast 10 Jahren ist der Große bereits als ein „PräPubertier“ unterwegs. Möglicherweise hat ihn das dazu verleitet, die Aufforderung „Hände hoch, oder ich schieße“ umzuformulieren in „Popo hoch oder ich schieße.“ Aha! Was soll man darauf noch sagen? Nichts. Ich habe herzlich gelacht.

Wie gehst Du um mit der Traurigkeit und dem Schmerz von Dir und Deinen Kindern? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar dazu.

 

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