Sommer der Leichtigkeit

Ich hatte unlängst das Buch in der Hand von Arnold R. Beisser mit dem Titel „Wozu brauche ich Flügel?“ um es hier kurz zu beschreiben. Ein Zitat von ihm lautet:

„Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist.“

Die schwere Krise von 2015 konnte ich nur hinter mir lassen, durch meine Akzeptanz des Ist-Zustand. Ich bin mit meinem kleinen Sohn noch mehr alleinerziehend als mit meinem großen Sohn. Ich habe gelesen, dass sich solche Alleinerziehenden als Extremalleinerziehend bezeichnen. Das mir das gleich 2 mal hintereinander passiert (alleinerziehend sein), hat mich verletzt, wütend gemacht und unendlich traurig sein lassen.

Diesen Zustand langsam hinter mir lassen konnte ich nur, indem ich geworden bin, was ich bin, eine alleinerziehende 2-fache Mama, die akzeptiert, was passiert ist und kontinuierlich weiter geht auf ihrem Weg.

Meine Mutter sagte einmal nach dem Tod ihres 2. Ehemannes (da war meine (Halb)Schwester 5 Jahre alt), dass sich für ein Kind zu entscheiden, auch immer bedeutet, sich dafür zu entscheiden, das Kind in letzter Konsequenz alleine groß zu ziehen.

Es gibt neben dem „verlassen werden“, „sich trennen“, der ungeplanten und nur einseitig bejahten Schwangerschaft eben auch den Tod als mögliche Ursache dafür alleinerziehend  zu sein. Im Prinzip müssten alle diese Aspekte mit einfließen in die Kinderwunschfrage: „Bin ich bereit, unter allen Umständen, mein Kind alleine zu erziehen, egal was passiert?“

Ich glaube die wenigsten Frauen und Männer stellen sich diese Frage bewusst. Auch ich habe mir diese Frage nicht gestellt bei meinem ersten (Wunsch)Kind obwohl da mein Stiefvater schon 3 Jahre verstorben war und meine Mutter zum zweiten Mal alleine war mit der Erziehung. Zu einer bewussten Entscheidung für ein Kind, sollte diese Frage mit Ja beantwortet werden können, denke ich. Aber ob es dann leichter ist, mit der Situation als Alleinerziehende/r umzugehen? Ich weiß es nicht. Vielleicht? Ein bisschen?

Da ich geworden bin, was ich bin, eine alleinerziehende 2-fache Mama, die langsam aber kontinuierlich ihren Weg gegangen ist, hat sich bei mir zumindest für den Moment Leichtigkeit in diesem Sommer eingestellt. Mein Leben hat sich nicht grundlegend verändert, aber ICH habe mich verändert. Ich habe akzeptiert, dass mein Leben ist, wie es ist und beschlossen, dass ich die schönen Dinge des Lebens genießen möchte mit meinen Jungs.

Zu meinem Sommer der Leichtigkeit gehört:

  • ins Freibad gehen, meinem Kleinen beim plantschen zu sehen und ganz wichtig, einen Cappuccino trinken auf der Freibadterasse mit Festungsblick
  • der Geruch im Freibad nach Natur, Chlor und Pommesfett 😊
  • Picknick im Freibad
  • die blaue Stunde vom Sofa aus mit Blick in den Horizont
  • das erste mal zu hören: „Mama is hab dis lieb.“
  • der Geruch nach frisch gemähtem Gras
  • Spaziergänge auf unserer Festung
  • der Geruch meiner Kinder, wenn sie von draußen kommen und nach Sonne und Natur riechen
  • dass mein kleiner Sohn redet wie ein Buch („Vogel begrüßt“ – sagte er heute Morgen noch verschlafen zu mir. Ich sah ihn fragend an und fragte: „Den auf dem Kissen (Bettwäsche mit Vögeln drauf)?“ Er nickte und sagte: „Und Mama seinen (VOGEL?!) auch.“ Ach so ist das, dachte ich mir und musste laut lachen.)
  • die Vorfreude auf die Sommerferien in denen ich dieses Jahr 3 Wochen Urlaub habe
  • mit meinen Kindern auf den Spielplatz gehen

Mein kleiner Sohn wird im Spätsommer 3 Jahre alt. Er ist somit „aus dem Gröbsten“ raus. Er kann laufen, sprechen und auf die Toilette geht er auch schon manchmal und das ist wunderbar.

So sehr ich die Babyzeit bei meinem großen Sohn genossen habe – ich war hier noch nicht alleinerziehend – so sehr war für mich die Säuglingszeit meines Jüngsten doch oft extrem belastend. Meine Jungs  haben 7 Jahre Altersunterschied und natürlich musste daher oft mein Großer zurückstecken mit seinem Bedürfnissen, was er auch meistens ohne Beschwerde gemacht hat. Mich jedoch hat diese Zeit oft fast zerrissen ob der Fülle an Herausforderungen.

Um so schöner, dass sich in diesem Sommer Leichtigkeit eingestellt hat.  Es ist mein erster Sommer der Leichtigkeit, seit mein kleiner Sohn auf der Welt ist und es ist auch der erste Sommer, in dem ich mich nicht mehr fragen muss, wann der Schmerz vorüber geht. Der Schmerz über 2 gescheiterte Beziehungen aus denen 2 Kinder hervorgegangen sind, für die ich fast ganz alleine verantwortlich bin.

Ich stand letzte Woche am Fenster und schaute in die Natur an einem wunderschönen Sommertag, begleitet von dem Lied „If you could read my mind“ von Gordon Lightfoot und ich musste mich nicht mehr fragen, wann der Schmerz aufhört. Er hat aufgehört.  Selten kommt er nochmal zurück und dann wenn er kommt ist es eher wie ein alter Freund den man kennt, der nicht immer angenehm ist, aber es ist in Ordnung, dass er da ist.

Wie sieht Dein Sommer der Leichtigkeit aus?  Hinterlass mir gerne einen Kommentar.

 

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2 Gedanken zu “Sommer der Leichtigkeit

  1. einglueck schreibt:

    Ich habe mir diese Frage tatsächlich vor der Geburt der Kinder gestellt… und obwohl ich sie mit „ja“ beantwortet habe, bin ich sehr dankbar dafür, dass ich das bisher noch nicht unter Beweis stellen musste.

    Mein „Sommer der Leichtigkeit“:
    – Eis essen im Garten
    – Barfuß durch regennasses Gras laufen
    – Alle „mein Kind macht jetzt Ballett/Sportgymnastik/Tanzen“-Kommentare ignorieren und die Kinder auf Bäumr klettern lassen
    – Bei jeder Gelegenheit an den See fahren

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