Schwarzer Freitag

Am 03.06.2016 war für mich ein schwarzer Freitag.  Meine Welt ist zusammengebrochen. Ich habe meinen Antrag auf Hartz-4 abgegeben. In mir wütete ein Gefühlsorkan, den ich fast nicht aushalten konnte. Gefühle von Trauer, Wut, Verzweiflung, Angst vor  Verarmung, Angst nie wieder eine Arbeit zu finden und Resignation hatten sich in mir breit gemacht. Das stärkste Gefühl von allen Gefühlen,  war das Gefühl der Wut. Wut darüber, dass alleinerziehende Mütter (natürlich auch Väter) nicht bevorzugt eingestellt werden, Wut über das geänderte Unterhaltsgesetzt von 2008, Wut darüber, dass mich die Väter meiner Kinder fast ganz alleine lassen mit der Erziehungsverantwortung, Wut auf Arbeitgeber, die nur noch nach Qualifikation einstellen, Wut auf so vieles mehr. Wut eben! Große Wut!

Ich war noch nie in meinem bisherigen Leben (2016 war ich 41 Jahre alt) auf Hartz-4 angewiesen und das dies  nun ab Mitte Juli 2016 so sein sollte konnte ich nicht fassen. Ich war entsetzt darüber, wie nackt ich mich gefühlt habe, alles von mir Preis geben zu müssen, wenn ich Hartz-4 beantrage. Angefangen vom Pay Pal-Konto bis zum Prepaid-Kreditkartenkonto bis hin zu  Bankkonten meiner Kinder, Sparkonto, einem Bausparvertrag, den ich ein Jahr zuvor mit ein paar hundert Euro aufgelöst hatte wegen unserem Umzug usw.. Wer schon einmal Hartz-4 beantragt hat, der weiß wovon ich hier spreche und kann das vielleicht verstehen. Ich konnte schon immer nachvolziehen, dass es Menschen, die Hartz-4 beantragen müssen schwer fällt, wirklich alles von sich Preis gegeben zu müssen. Aber „etwas nachvollziehen“ ist etwas anderes, als es selbst zu erleben und zu spüren. Meine Welt war komplett aus den Fugen geraten, auch wenn man mir das als Außenstehender vielleicht nicht so angemerkt hat.

Gemerkt dass es mir sehr schlecht geht, haben am meisten sicherlich meine Kinder. Ich glaube in dieser Zeit war jeder zweite Satz meinem großen Sohn gegenüber, dass wir uns dies und jenes bald nicht mehr leisten können, weil es dann eben nicht mehr geht. Auf Hartz-4 angewiesen zu sein heißt am Existenzminimum zu leben. Vor allem wegen der Kinder ist mir diese Situation sehr schwer gefallen. Wir haben kein Luxusleben bis jetzt geführt, aber unser Geld hat immer gereicht um ein Eis essen zu gehen, ins Schwimmbad zu gehen, Geburtstagswünsche zu erfüllen und vieles mehr. Es war kein Luxus, aber mir hat es gereicht, was jedoch mit Hartz-4 vorbei gewesen wäre. Menschen die am Existenzminimum leben müssen eben überlegen, ob sie heute 10 Euro ausgegeben können, wenn sie mit der Familie Eis essen gehen. Das empfinde ich als eine große Ungerechtigkeit und denooch musste ich mich damit abfinden und jeden Tag mit der Angst leben, dass es bald so sein wird.

Der einzige Lichtblick in der Situation , der Rettungsanker sozusagen war, dass ich einen Termin für ein Vorstellungsgespräch hatte am 23.06.2016 im Bereich der Erwachsenenbildung, in dem ich schon seit 2008 gearbeitet hatte in verschiedenen befristeten Anstellungsverhältnissen. Ich hatte neben der ganzen Wut und der Angst auch einen Hoffnungsschimmer. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

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